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Donnerstag, 29. März 2012

Ein Präsident und seine Zeit

Quelle: Verlag Ferdinand Schöningh
Die Gratwanderung die ein Biograph historischer Persönlichkeit zuweilen auf sich nimmt, kann bitterlich enden. Stets ist der Verbund zwischen Darstellung der Person und dem historischen Kontext, dem ausgeatmeten Zeitgeist jener Tage zu verquicken. Ganz davon abgesehen, sich in den zu beschreibenden Charakter nicht so sehr zu verlieben, dass am Ende eine Hagiographie entsteht. Ronald D. Gerste nahm den schmalen Grat gekonnt. Er lieferte eine Biographie und ein Zeitgemälde. Nicht nur Franklin D. Roosevelt erwacht nochmals - auch das Amerika, in dem er (politisch) groß wurde, in dem er Präsident war, das er nach langem Anlauf in den Krieg führte, entsteht beim Lesen bildlich. Dabei sollte man sich vom Titel "Roosevelt und Hitler" nicht täuschen lassen - beide werden im Buch nicht nebeneinander gestellt, beide Biographien finden nicht Berücksichtigung. Hitlers Eckdaten werden gemieden, was dem deutschen Leser, seit Jahrzehnten eingedeckt mit Hitler-Biographien, nur zupass kommen kann.

Mittwoch, 1. Februar 2012

Plädoyer auf zerrissene Lebensläufe

Quelle: Ama
Sein Leben vom Standpunkt des Scheiterns aus zu erklären: das wagt nicht jeder. In einer Periode, da selbst Minderjährige, die von Konzernen zu Pop-Ikonen ausersehen werden, mit einer nur so von Erfolgen strotzenden Biographie aufwarten, wirkt der Biograph des eigenen Scheiterns, wie ein bemitleidenswerter Verlierer. Lebensgeschichten haben ein Getümmel von großartigen Erfolgen, von unglaublichen Durchbrüchen, von einzigartigen Triumphen und feiernswerten Volltreffern zu sein. Wer wagt sein Leben als Ballung von Fehlschlägen, Irrtümern und Verunglückungen nachzumalen? Dazu bedarf es Mut - oder Naivität, was vielleicht auf dasselbe hinausläuft. Jedenfalls, es war Konstantin Wecker, der seine Lebensgeschichte als "Kunst des Scheiterns" schrieb.

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Wider künstlicher Naturgesetze

Quelle: Amazon.de
Er ist seit vierzig Jahren Mitglied der parteilich organisierten Sozialdemokratie. Manchmal leidet er darunter, wie er selbst schreibt. In den letzten Jahren ganz besonders. In seiner Autobiographie, die er mit dem poetischen Titel "Als wir noch Götter waren im Mai" schmückte, erzählt Johano Strasser davon, wie einst in der SPD und in Deutschland das Willy-Fieber ausbrach, wie man von einer besseren, liberaleren Gesellschaft, von mehr gewagter Demokratie träumte - und er endet schließlich bei der heutigen Partei, bei dem, was sie heute tut, da sie sich dem Milieu derer zugeschlagen hat, die den Menschen als plumpen Nutzenmaximierer oder als Humankapital veranschlagen und demgemäß ihre Politik ausrichten. Hoffnung bleibt, liest man bei Strasser immer wieder - so auch in Fragen der Partei, in die er als junger Mann eintrat.